Pilates für Reiter

Tipps von Janice Dulak's Pilates for Dressage


 

by Garrido & Janice Dulak

Hand aufs Herz, wer macht neben dem Reiten zusätzlich Sport und arbeitet aktiv an seiner Körperhaltung und Fitness? Nein, Schubkarre schieben und ab und zu eine Runde spazieren gehen zählt nicht wirklich! 😊 Wer investiert in regelmäßige Sitzkontrolle von einem guten Trainer? Die Wissenschaft, besonders die International Society of Equitation Science, beschäftigt sich derzeit eingehend mit der Fitness von Reitern und wie sehr sich diese auf das Pferd auswirkt. Pferd und Reiter sind eine Einheit und sollen sich zusammen harmonisch bewegen. Irgendwie logisch, dass ein schiefer oder verspannter Reiter sich auch negativ aufs Pferd auswirkt, oder? 


Die Amerikanerin Janice Dulak, Erfinderin der Trainingsmethode Pilates for Dressage®, hat das schon vor langem erkannt. Als erfolgreiche Tänzerin und Pilatestrainerin gehört Körperbeherrschung bis ins kleinste Detail zu ihrem Beruf. Nicht verwunderlich, dass die Pferdeliebhaberin Gefallen am Dressursport gefunden hat, kommt er doch der Magie des Tanzes am nächsten. 


Doch  Janice war schockiert davon, wie wenig Körperbewusstsein viele Reiter haben und wie oft Fehler, die eindeutig vom Reiter kommen, aufs Pferd geschoben werden. Nicht nur im Dressursport, sondern auch in anderen Disziplinen und unter Freizeitreitern. Janice hat es sich zur Mission gemacht, Reitern jeden Ausbildungsstandes zu helfen, ihren Körper besser zu spüren, zu trainieren und im Einklang mit ihrem Pferd zu reiten.
Im Folgenden hat Janice einige Tipps mit uns geteilt, wie man mit einfachen Pilates-Grundsätzen mehr Körpergefühl und eine bessere Haltung trainieren kann – mit und ohne Pferd.  


Pilates stärkt Körperbewusstsein am Boden ...


.... und am Pferd.


Auf die Bauchmuskeln, fertig, los! 

Die Mitte ist der wichtigste Baustein für einen stabilen und balancierten Sitz, ist sich Janice Dulak sicher. Dabei legt Janice besonders auf die Bauchmuskeln großen Wert. Sie unterteilt sie in drei wichtige Bereiche: die unteren, mittleren und oberen Bauchmuskeln. Aktivieren kann man diese folgendermaßen: 

Die unteren Bauchmuskeln (zwischen Schambein und einer imaginären Linie ca. 5 cm unterhalb des Bauchnabels) werden aktiviert, indem man das Becken leicht nach vorne und oben kippt. Das streckt den unteren Rücken und bringt den Reiter aus dem Hohlkreuz. Dein Pferd wird dadurch motiviert selbst mit der Hinterhand unterzutreten. 

Die mittleren Bauchmuskeln aktiviert man, indem in dem man den Bauchnabel nach „hinten und oben“ zieht. Dadurch wird die Wirbelsäule entlastet und gestreckt. Gleichzeitig wird der Rücken des Pferdes entlastet, weil der Reiter seine Position stabil und gut balanciert halten kann. 

Deine oberen Bauchmuskeln kannst du dir als die Muskelfasern vorstellen, die sich von einer Seite deiner Rippen zur anderen ziehen und zwar von ca. 5 cm oberhalb des Bauchnabels bis zum Brustbein. Diese Muskeln kannst du finden und dir zu Nutze machen, indem du dir vorstellst deine Rippen vorne wie einen Reißverschluss zusammen zu ziehen. Du brauchst sie, um Schultern, Nacken und Kopf mit deiner Mitte zu verbinden und alles im Gleichgewicht zu halten. 

Es braucht ein bisschen Übung, um die einzelnen Bereiche der Bauchmuskeln identifizieren und aktivieren zu können, aber zum Glück kann man fast immer und überall üben. Beim Autofahren, Einkaufen gehen oder auf dem Bürostuhl (wo ein bisschen gute Haltung sowieso nie schadet), … Probiere es aus und schau wie anders sich deine Haltung – und dein Pferd – beim nächsten Mal reiten anfühlt.   




Aktivierte Bauchmuskeln helfen dem Reiter sich ohne Belastung
gerade zu halten und "kein Wasser zu verschütten".


Wo sind dein Arme?

Deine Bauchmuskeln sind aktiviert und stabil? Super! Aber was machen eigentlich deine Arme – die direkte Verbindung zum Pferdemaul? Versuch deine Oberarme in einer Linie mit deiner Wirbelsäule zu halten, deine Ellenbogen sollte dabei die Verbindung zur Ferse nicht verlieren. Wie macht man das? Indem man die Hinterseite der Oberarme nach unten, in Richtung der Hüfte zieht. Dadurch bleiben deine Hände gerade und ruhig.

Fersen runter! Oder doch nicht?

Jahrelang wurden uns die „Fersen runter“ korrigiert, aber eigentlich ist das biomechanisch nicht die ideale Position. Durch krampfhaftes Runterziehen der Fersen wird das Bein steif und unflexibel, was wir nicht wollen. Janice empfiehlt einen geraden Fuß, ähnlich wie wenn du auf dem Boden stehen würdest. Die Ferse sollte sich an dieselbe gerade Linie anlehnen, die dein Rücken bildet. Wenn du deine Bauchmuskeln angespannt und den Rücken dadurch gerade gemacht hast, winkle die Knie leicht an und lass dein Gewicht nach unten in die (geraden) Füße fallen. So bleiben sie locker, beweglich und doch in einer stabilen Position. 

Hältst du deine Hüften fest? 

Verkrampfte Hüften machen es schwer aus dem (für den Pferderücken sehr unangenehmen) Hohlkreuz zu kommen. Eine einfache Übung kann da Abhilfe schaffen: Rückwärts gehen! Aktiviere deine unteren Bauchmuskeln (siehe oben) und halte diese Spannung während du langsam einige Meter rückwärts gehst. Wichtig ist, dass dein Becken gerade bleibt, sodass Hüfte und Oberschenkel sich nach hinten dehnen. In dieser Haltung langsam und gezielt rückwärts zu gehen, bildet einen wichtigen Ausgleich dazu wie wir den Großteil unseres Lebens verbringen – stehend, vorwärts gehend oder sitzend. Wenn du diese einfache Übung regelmäßig in deine Routine einbaust, wirst du merken, dass sich deine Hüften lockern und es dir leichter fällt beim Reiten den Rücken gerade zu halten.  


Du möchtest mehr über Pilates for Dressage® erfahren? Janice postet immer wieder tolle Tipps auf ihrer Facebookseite Janice Dulak's Pilates for Dressage, ihre Bücher, DVDs und ihren sehr empfehlenswerten Onlinekurs findest du auf pilatesfordressage.com

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